Experten bei der Arbeit

Mit dem neuen Kabelmesswagen ist Manuel Küchler Störungen auf der Spur – damit in Herne jederzeit der Strom fließt.

Fehler an Freileitungen sind schnell entdeckt. Liegt die Störung jedoch gut versteckt in einem unterirdisch verlaufenden Stromkabel, wird die Suche nach der Ursache gleich viel komplizierter. Dann kommt der neue Spürhund der Stadtwerke Herne ins Spiel: ein nagelneuer Mercedes Sprinter 516, ausgestattet mit modernster Messtechnik. Manuel Küchler (Bild oben), Netzmeister für den Netzbetrieb Strom bei den Stadtwerken Herne, erklärt, wie sie funktioniert: „Wenn in einem unserer 10-kV-Kabel, die bis zu vier Kilometer lang sein können, eine Störung auftritt, müssen wir die Fehlerstelle lokalisieren. Dazu rücken wir mit dem Kabelmesswagen aus, um die Stelle ganz genau zu orten.“

Schritt für Schritt zum Ziel

An der nächstgelegenen Trafostation – 685 sind es im gesamten Stadtgebiet – wird der Kabelmesswagen angeschlossen und eine Prüfspannung auf die fehlerhafte Leitung gegeben. Durch
diese Vor-Ortung kommen die Strom-Experten der Störung wieder ein Stück näher. „Das Messverfahren ist komplex, verschiedene Messtechniken kommen zum Einsatz und hohe Spannungen“, erklärt Manuel Küchler. Deshalb können auch nur speziell qualifizierte Monteure die Messungen durchführen und der Arbeitsbereich rund um den Messwagen wird zur Sicherheit abgesperrt.

Um die Fehlerstelle ganz genau zu lokalisieren, ist es manchmal nötig, einen Hochspannungsimpuls von bis zu 32.000 Volt auf das defekte Kabel zu senden, der an der exakten Fehlerstelle einen knallenden Überschlag erzeugt. Mit Messplan, Kopfhörern und einem Bodenschallmikrofon geht der Messtechniker die Kabelstrecke ab, bis er an der defekten Stelle angekommen ist. Jetzt kann das Kabel freigelegt und repariert oder ersetzt werden.

Schnell zur Stelle

Damit es keine langen Ausfallzeiten gibt, wird der Strom in der Regel umgeleitet und kommt auf anderem Wege zu den Abnehmern, noch bevor der Schaden behoben wurde. „Von der Störungsmeldung bis zur Fehlerbehebung dauert es eine halbe bis maximal eine Stunde“, erklärt Manuel Küchler, der schon seine Ausbildung zum Elektroinstallateur bei den Stadtwerken Herne absolviert hat. Denn die Monteure sind rund um die Uhr in Bereitschaft. „Das Planwerk nehmen wir mit nach Hause, wenn wir Dienst haben.“ Außerdem wohnen fast alle Mitarbeiter in der Nähe, um schnell an der Schadensstelle sein zu können.

Wenig Stromausfälle in Herne

Zum Glück kommen solche Störungen an den großen Hauptleitungen in Herne nicht so häufig vor – im Durchschnitt etwa zehn Mal im Jahr. Um in Zukunft noch weniger Ausfälle zu verzeichnen, hat der neue Kabelmesswagen im Gegensatz zu dem alten jetzt eine Diagnosefunktion. „Das ist wie eine Vorsorgeuntersuchung“, scherzt Manuel Küchler. Momentan werden alle 10-kV-Leitungen überprüft – immerhin etwas über 500 Kilometer Kabel. „Zuerst die Kirmesleitungen. Denn Kirmes ohne Strom geht gar nicht.“ Ein Ampelsystem zeigt an, ob ein Defekt droht (rot), das Kabel unter Beobachtung gehalten werden sollte (gelb) oder in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich nicht mit einem Ausfall zu rechnen ist (grün).

Die Erkenntnisse helfen, Investitionen in die sichere Stromversorgung der Stadt besser zu planen. Und auch sonst hat der neue Kabelmesswagen einiges mehr zu bieten als das alte Schätzchen Baujahr 1980. „Für den Alten muss immer eine Steckdose in der Nähe sein, damit er Energie für die Messtechnik erzeugen kann. Unter dem Neuen produziert ein Stromgenerator eigenen Strom“, sagt Manuel Küchler. Ein Fehlerassistent macht außerdem Vorschläge, welches Messverfahren eingesetzt werden sollte, und per Mausklick wird die nötige Spannung eingestellt.

Solange nicht alle Mitarbeiter die Schulung für den neuen Kabelmesswagen durchlaufen haben, arbeiten die beiden Spürnasen parallel.

LECLAIRE PHOTOGRAPHIE

„Im alten Wagen fühlt man sich ein bisschen wie im Museum.“ Unzählige dicke graue Knöpfe, ein winziger Röhrenbildschirm, der immer nur eine Farbe anzeigen kann. Der Bedienraum im neuen Kabelmesswagen wirkt dagegen futuristisch und fast etwas kahl: zwei Flachbildschirme, eine Tastatur, sonst wenig Schnick-Schnack. „Vielleicht landet der alte Wagen wirklich im Museum, wenn er endgültig ausgedient hat“, sinniert Manuel Küchler.