Interview: Was treibt Sie an, Ismail Atalan?

Der neue VfL Bochum-Trainer im Interview über die Fans im Ruhrgebiet – und seine Pläne für seinen neuen Verein.

Sie waren bei Bekanntgabe Ihres neuen Jobs bei vielen ein unbeschriebenes Blatt. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Die ersten drei, vier Wochen ist es vielleicht ein Vorteil, weil der Name noch nicht so oft auf dem Radar erscheint beziehungsweise erschienen ist. Danach nicht mehr. Denn dann wird die Mannschaft anhand der Leistung eines Trainers agieren – und bewertet.

Sie haben bisher im Münsterland gespielt und die Sportfreunde Lotte trainiert. Was ist im Vergleich dazu das Besondere am Ruhrgebiet?

Die Leute hier im Ruhrgebiet sind wesentlich emotionaler und direkter. Das gefällt mir. Sie sagen einem sofort, was sie denken oder fühlen. Man scheut sich auch nicht, einem die Wahrheit zu sagen. Auf dem Platz, im Stadion merkt man es sofort an den Gesängen der Fans.

Statt zwei Erstligavereinen im Ruhrpott sollten es doch drei sein! Wann spielt der VfL neben Schalke und Dortmund wieder im Oberhaus der Liga?

In den nächsten zwei Jahren … (grinst)

Lotte hat 1.400 Mitglieder, und wenn Schnee liegt, schüppen die Fans den Rasen frei. In der letzten Saison galten Sie als Fußballschreck, weil Ihr Team zunächst Werder Bremen, dann Bayer Leverkusen und schließlich 1860 München aus dem Pokal warf. Wird der VfL der nächste Überraschungssieger?

Ich liebe den DFB-Pokal, weil es pro Spiel nur einen Sieger gibt. K.o.-Spiele sind etwas Wunderbares, sowohl für die Zuschauer als auch für den Trainer, weil man ein Ergebnis hat. Ich habe jüngst zur Saisoneröffnung, auf dem Fan-Fest des VfL Bochum, schon mal launig gesagt, dass sich die VfL-Fans das Wochenende rund um den 19. Mai 2018 freihalten sollten. Denn wir wollen das Maximale herausholen.

Wie würden Sie Ihren Freunden und Verwandten das Ruhrgebiet in drei Sätzen erklären?

Sehr herzlich, sehr kommunikativ, sehr emotional. Das sind zwar nur drei Halbsätze, aber sie sind zutreffend.

Wie können Sie am besten neue Energie tanken?

Entweder bei einem Buch, das nichts mit Fußball zu tun hat. Oder wenn ich mit meinen Kindern spiele.


Ismail Atalan schaffte mit den Sportfreunden Lotte 2015 den Aufstieg in die dritte Liga, nach Stationen in Gievenbeck, Davensberg und Beckum. Der neue Trainer ist kurdischer Abstammung und kam mit fünf Jahren als Flüchtling aus der Türkei nach Deutschland.