Kalt und doch warm

Für das Albert-Schweitzer-Carré haben die Stadtwerke ein modernes Energiekonzept umgesetzt: ein Nahwärmenetz im großen Maßstab, mit niedrigen Temperaturen.

In Röhlinghausen wird kalt geheizt. Das klingt unlogisch, ist aber vor allem eines: umweltfreundlich. 14 Mehrfamilienhäuser und Doppelhaushälften mit insgesamt 94 Wohneinheiten entstehen im Neubauprojekt Albert-Schweitzer-Carré der Wohnstätten Wanne-Eickel. Hier wird ein neues Konzept umgesetzt, das ein lebendiges Miteinander ermöglichen soll.

Zum Beispiel gibt es unter anderem speziellen Raum für ältere Menschen, die in Wohngruppen zusammenleben wollen, aber auch Familien und Singles finden Wohnungen und Doppelhaushälften, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Außerdem wird die Siedlung weitestgehend autofrei sein, weil alle Fahrzeuge in unterirdischen Tiefgaragen zentral geparkt werden. Ein ehrgeiziges Projekt, das sehr weit fortgeschritten ist. Denn die ersten Bewohner sind bereits eingezogen. Sie profitieren auch in Bezug auf die Energiekosten von diesem modernen Ansatz. Die Stadtwerke Herne haben dort nämlich ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz umgesetzt.

Unterirdisches Netz

Selbst wenn im Winter eisige Temperaturen herrschen, ist es unten im Boden noch schön warm. Je tiefer man ein Thermometer herablässt, desto höher steigt darauf die Anzeige. Genau diese Erdwärme lässt sich, vereinfacht gesagt, nach oben befördern. Diese besonders umweltfreundliche Art des Heizens wird im Albert-Schweitzer-Carré zu einem Nahwärmenetz ausgebaut. Praktisch sieht das so aus: Rund um die Siedlung führen 56 Erdwärmesonden jeweils 120 Meter tief ins Erdreich. Dort herrschen relativ konstante Temperaturen, die ein Wasser-Glykol-Gemisch auf bis zu 10 Grad erwärmen. Diese Lösung gelangt dann über eine unterirdische Ringleitung mit einer Länge von 400 Metern in die Heizzentralen der einzelnen Häuser. Dort wird die Temperatur der Lösung mit Wärmepumpen weiter angehoben, bis sie zum Heizen und zur Warmwasserbereitung ausreicht. Mehr als 80 Prozent der benötigten Heizenergie kann auf diese Weise produziert werden.

Das Beste daran: Die Bewohner sparen eine Menge Energiekosten. „Gemeinsam konnten wir ein innovatives und vorbildliches Projekt realisieren, das die Stellung Hernes als nachhaltige Kommune nachdrücklich unterstreicht“, betont Ulrich Koch, Vorstand der Stadtwerke Herne. Die Stadtwerke haben das Konzept geplant, kümmern sich um die Installation und später auch um Betrieb und Wartung der Anlagen.

„Solch ein Projekt braucht auch ein klimafreundliches Energiekonzept, mit dem unsere Bewohner ihr Geld nicht verheizen.“

Frank Militzer, Mitglied des Vorstands der Wohnstätten Wanne-Eickel