Vorfahrt Zukunft!

Noch fahren nur wenige Elektroautos auf Hernes Straßen, aber ihre Zahl wächst. Denn zum emissionsfreien Fahren sehen Experten derzeit keine Alternative.

„Ich glaube an das Pferd. Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Diese Fehleinschätzung, die Kaiser Wilhelm II. Anfang des 20. Jahrhunderts abgegeben haben soll, ist legendär. Seine Welt war damals noch eine ganz andere. Pferde waren das wichtigste Fortbewegungsmittel, und das bereits seit vielen Jahrhunderten. Aus dieser Perspektive war es tatsächlich unvorstellbar, dass verhältnismäßig kurze Zeit später Maschinen ihren Platz einnehmen sollten.

Eigentlich befinden wir uns heute in einer ähnlichen Situation. Wer mag schon glauben, dass Verbrennungsmotoren in nicht allzu ferner Zukunft nur noch als Oldtimer über die Straßen rollen werden? Genau das ist jedoch die Einschätzung der meisten Verkehrsexperten. Denn die Automobilbranche befindet sich im Umbruch.

Ziele der Automobilhersteller

Elektromobilität ist natürlich eine wichtige Säule für die Klimaziele der Bundesregierung, die sie mit Förderprogrammen für den Kauf von E-Autos und den Bau von Lademöglichkeiten unterstützt. Dass die Entwicklung im Moment international gehörig Schwung aufnimmt, ist jedoch einem Treiber in weiter Ferne zu verdanken: China. Für die meisten Autohersteller rangiert China nämlich als Absatzmarkt auf Platz eins oder zumindest ganz weit vorne. Und China hat sich entschlossen, Elektromobilität mit einer Quotenregelung voranzutreiben: Noch im Laufe dieses Jahres müssen die Autobauer mit Strafen rechnen, falls ihr Anteil an verkauften E-Autos nicht groß genug ist.

Das hat den Markt in Bewegung gesetzt. Bei VW soll schon im Jahr 2025 jedes vierte verkaufte Auto einen elektrischen Antrieb haben. Renault arbeitet nach dem Strategieplan „Drive the Future”, demzufolge bis zum Jahr 2022 acht rein elektrische und zwölf elektrifizierte Modelle das Portfolio ergänzen werden. Peugeot ändert sogar seinen Claim auf „Motion & e-Motion“. Bis 2025 sollen alle Modelle als Elektrovariante verfügbar sein. Ähnlich sieht es bei Audi aus. Ebenfalls bis 2025 ist für jedes Modell ein Pendant geplant, das entweder über einen reinen Elek-tromotor oder einen Hybridantrieb verfügt. Daimler verkündet „Die Zukunft fährt elektrisch“ und lanciert dafür die Marke „EQ“.

Immer mehr Ladepunkte

Wer denkt, nichts werde sich verändern, glaubt also im übertragenen Sinne noch ans Pferd. Doch was heißt das praktisch? Die Ladeinfrastruktur hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert – alleine die Stadtwerke Herne betreiben 20 öffentliche Ladepunkte. Hinzu kommen zwölf Ladepunkte für die Fahrzeuge des eigenen ­E-Fuhrparks. Weitere Ladesäulen werden in 2019 errichtet bzw. sind in Planung, darunter auch eine Schnellladesäule.

Anzahl der Ladestationen in Deutschland

Von einem flächendeckenden Netz sind wir aber natürlich noch weit entfernt. „Das ist derzeit tatsächlich noch ein Punkt, der viele Menschen davon abhält, sich ein Elektroauto anzuschaffen“, sagt ­E-Mobilitätsexperte Dr. Haydar Mecit, Inhaber der Stiftungsprofessur der Stadtwerke Herne für das Forschungsprojekt „Ruhr Valley“. „Dabei ist dieses Problem kleiner, als viele denken.“ Studien hätten nämlich gezeigt, dass die Autofahrer im Ruhrgebiet täglich im Durchschnitt nur zwischen 15 und 30 Kilometer fahren. „Die Fahrzeuge, die demnächst auf den Markt kommen, haben in der Regel eine Reichweite von mindestens 300 Kilometern, teilweise auch 450 oder 500.“ Der alltägliche Radius ist also locker abgedeckt. Eigenheimbesitzern rät er, Fördermöglichkeiten für sogenannte Wallboxen zu nutzen – solch eine Lademöglichkeit im Miniformat kann im Carport oder in der Garage an die Wand geschraubt werden.

Zuschüsse für Ladevorrichtungen

Das Land NRW fördert sie derzeit noch mit einem Zuschuss von bis zu 50 Prozent des Anschaffungspreises, bis maximal 1.000 Euro. Die Stadtwerke Herne bieten mit der eBox und der eStation sowohl eine Wallbox als auch eine E-Ladesäule zum Kauf oder als Contractingmodell an (siehe Info am Ende des Texts).

„Langfristig wird sich das Verhalten der Menschen beim Aufladen ändern“, glaubt Christian Tollkamp, der das Thema Elektromobilität bei den Stadtwerken Herne betreut. „Viele werden ihr Auto abends anschließen, so wie jetzt das Handy.“ Und wer diese Möglichkeit nicht hat, weil er in einer Mietwohnung lebt? „Die meisten Mieter haben einen festen Arbeitsplatz und werden künftig vor allem bei ihrem Arbeitgeber Lademöglichkeiten nutzen können“, sagt Mecit.

Schon jetzt rüsten immer mehr Firmen im Ruhrgebiet auf, Hand in Hand mit ihren Energieversorgern. Auch einige Wohnungsbaugesellschaften sind das Thema bereits gemeinsam mit den Stadtwerken angegangen. Die Zahl an Ladepunkten auf Gemeinschaftsparkplätzen wird also steigen. „Für Betreiber von Tiefgaragen oder Supermärkten kann das eine zusätzliche Einnahmequelle und ein Mittel zur Kundenbindung sein“, sagt Mecit. Einkaufen und währenddessen laden: Das klingt gut.

Und was passiert auf Urlaubsfahrten? „Durch die Kooperation mit dem Marktführer ­innogy profitieren Kunden der Stadtwerke Herne vom bundesweit größten Ladeinfrastrukturnetz mit 7.100 Ladepunkten in Deutschland und über 17.000 europaweit – in Städten wie auch an Autobahnraststätten“, sagt Tollkamp. Auch ein einheitliches Abrechnungssystem und eine komfortable App sind derzeit im Aufbau.

Zugegeben, noch sind viele Ideen in der Vorbereitungsphase, und die Frage nach den Lademöglichkeiten ist nicht das einzige Hindernis, das die meisten Deutschen derzeit vom Kauf eines E-Autos abhält. Das zweite ist der Preis. Zwar ist mit dem Modell e.GO Life des Aachener Start-ups e.GO Mobile ein E-Fahrzeug für einen Einstiegspreis von 15.800 Euro auf dem Markt, aber im Vergleich zu Verbrennungsmotoren sind Elektroautos deutlich teurer. Außerdem sind die deutschen Pkw im Durchschnitt 9,5 Jahre alt, es gibt bisher noch keinen großen Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos.

Geringe Betriebskosten

„Die Anschaffung eines E-Autos lohnt sich allerdings auf lange Sicht“, sagt Christian Tollkamp. Der höhere Kaufpreis relativiere sich, weil Strom billiger ist als Benzin und die Fahrzeuge weniger Wartungs- und Reparaturkosten verursachen. „Die Teile, die bei normalen Pkw am häufigsten kaputtgehen, sind in E-Autos gar nicht verbaut.“

Falls mehr Menschen auf einen elektrischen Antrieb setzen würden, könnte das auch das dritte Kaufhindernis abbauen: die Erfahrung. Mecit erklärt: „Viele Deutsche orientieren sich beim Autokauf an Empfehlungen von Bekannten. Da die beim E-Auto meistens fehlen, kommt es auch nicht in die engere Wahl.“ Sein Rat: sich mit dem Thema Elektromobilität auseinandersetzen und einfach mal ein Elektroauto ausprobieren. „Das Fahren macht nämlich richtig Spaß.“ Und schneller als ein Pferd ist es auch.


Zu Hause aufladen

Interesse an einer privaten Lademöglichkeit? Die Stadtwerke bieten Service aus einer Hand. In Kooperation mit örtlichen Elektrikern prüfen sie die vorhandene Elektro-Installation, beraten zum besten Platz für einen Ladepunkt und zu den passenden Autostrom-Tarifen. Denn auch die bieten die Stadtwerke an – natürlich mit 100 Prozent Ökostrom, entsprechend den Anforderungen des Förderprogramms. Beim Contracting übernehmen die Stadtwerke künftig Installation und Betrieb der Ladevorrichtung komplett. Der Kunde muss kein Eigenkapital aufbringen, er bezahlt nur eine monatliche Gebühr plus Strom. Mehr Infos gibt’s bei Christian Tollkamp: Tel. 02323 592-345


Schlaumachen und losfahren

Die Stadtwerke Herne sind kompetenter Ansprechpartner rund um das Thema E-Mobilität. Um die Kunden künftig noch umfassender beraten zu können, sind derzeit Kooperationen mit Autohändlern in Planung. Die Stadtwerke informieren Interessenten nicht nur über die eigenen Angebote rund um die Ladeinfrastruktur, sondern auch über das Portfolio der Händler, und vermitteln sie entsprechend weiter. Die Händler erstellen dann qualifizierte Angebote zu Kauf, Leasing oder Finanzierung der Fahrzeuge.

Mehr Infos zu den Angeboten der Stadtwerke Herne rund um die E-Mobilität: www.stadtwerke-herne.de/emobilitaet